Das Segeln als pädagogisches Angebot in der offenen Kinder- und Jugendarbeit bietet vielfältige positive Wirkungen auf die kindliche Entwicklung. Besonders Kinder im Alter von 5 bis 12 Jahren profitieren auf körperlicher, psychischer und sozialer Ebene von einem solchen Erlebnis. Im Folgenden werden die wichtigsten Aspekte und Erfahrungen dargestellt, die im Rahmen eines Segelprojekts beobachtet werden konnten:
Physisches Wohlbefinden
Das Segeln ermöglichte den Kindern eine aktive und abwechslungsreiche Freizeitgestaltung, die weit über den Alltag hinausging. Aktivitäten wie Schwimmen, Tauchen, Lagerfeuer machen, gemeinsame Ausflüge in Städte, das gemeinsame Essen gehen oder einfach das Genießen von Ruhe und Auszeiten an Bord trugen wesentlich zur Förderung des körperlichen Wohlbefindens bei.
Auch eine gesunde, ausgewogene Ernährung spielte eine wichtige Rolle – gemeinsam wurde gekocht und gegessen, was ein Bewusstsein für Ernährung und Gemeinschaft stärkte. Die Wohnverhältnisse auf dem Schiff boten dabei ein besonderes Erlebnis – einfach, aber sicher, strukturiert und gemeinschaftlich organisiert. Die Möglichkeit, an vielfältigen Freizeitangeboten teilzunehmen, förderte Bewegung, Neugierde und den Abbau von Stress.
Psychisches Wohlbefinden
Das Projekt schuf für die Kinder einen geschützten Raum, in dem sie Verantwortung übernehmen durften – altersgerecht und angeleitet. Durch die Einteilung in verschiedene Teams wie Navigationsteam, Sicherheitsteam oder Lenkteam, sowie durch alltägliche Aufgaben wie dem Tischdienst, lernten sie, dass ihre Mithilfe gebraucht wird und zählt.
Eine zentrale Erfahrung war der Glaube an ihre eigenen Fähigkeiten. Die Kinder erfuhren Wertschätzung, Anerkennung und wurden in ihrer Persönlichkeit gestärkt. Es wurde ihnen zugesichert, dass sie etwas können und wer sind – unabhängig von schulischem Leistungsdruck oder sozialen Vorurteilen. Der Alltag an Bord war strukturiert, aber stressfrei, was besonders für Kinder aus belasteten Verhältnissen eine wertvolle Erfahrung war.
Auch Themen wie Handyfreie Zeit, das Einhalten von klaren Regeln und Grenzen (z. B. „nicht nass in die Koje gehen“) trugen zur psychischen Entlastung bei. Die Kinder durften einfach Kind sein, ohne übermäßige Verantwortung für andere tragen zu müssen (Entlastung von Parentifizierung). Die Aufmerksamkeit der pädagogischen Fachkräfte sowie das ernst genommen werden förderten das Selbstwertgefühl und das emotionale Gleichgewicht.
Gruppenbildung und Freundschaften
Während des Segelprojekts entstanden enge Gruppendynamiken und Freundschaften, die über das Projekt hinaus Bestand hatten. Die gemeinsamen Erlebnisse, Herausforderungen und das Zusammenleben auf engem Raum stärkten das Wir-Gefühl. Kinder, die sich vorher kaum kannten oder eher zurückhaltend waren, fanden neue Spielkameraden und Verbündete im Alltag an Bord.
Sozial-emotionale Komponente
Innerhalb der Gruppe entwickelte sich eine Art „Familienstruktur“, die von Fürsorge, Vertrauen und gegenseitigem Respekt geprägt war. Die Kinder kümmerten sich untereinander, trösteten sich bei Heimweh oder halfen sich bei Aufgaben. Auch die Mitarbeitenden nahmen eine unterstützende, aber nicht übermächtige Rolle ein – ähnlich einer vertrauensvollen, sicheren Bezugsperson. Dieses gelebte Miteinander förderte das emotionale Lernen, Empathie und die Bindungsfähigkeit der Kinder.
Positive Auswirkungen auf die Mitarbeitenden und die Beziehung zu den Kindern
Auch für die pädagogischen Mitarbeitenden hatte das Projekt viele positive Effekte. Die intensive Zeit an Bord ermöglichte tiefergehende Beziehungsarbeit: Die Kinder konnten die Erwachsenen in alltäglichen, authentischen Situationen erleben – beim Kochen, Segeln, Lachen oder im Umgang mit Schwierigkeiten.
Diese authentische Nähe baute Vertrauen auf und ermöglichte einen neuen Zugang zu den Kindern, der im regulären offenen Betrieb oft nicht in dieser Tiefe möglich ist. Die Mitarbeitenden gewannen neue Einblicke in die Lebensrealitäten und Potenziale der Kinder und konnten individuelle Ressourcen besser erkennen und fördern. Es entstand ein gegenseitiges Verständnis und eine nachhaltig tragfähige Beziehungsebene.
Fazit
Das Segelprojekt hatte auf verschiedensten Ebenen einen nachhaltig positiven Einfluss auf die teilnehmenden Kinder. Es bot ihnen Raum zur Entfaltung, Erholung, Entwicklung und Teilhabe. Die Mischung aus Naturerlebnis, Verantwortung, Gemeinschaft und Spaß stärkte sie in ihrer Persönlichkeit und ließ sie Erfahrungen machen, die im Alltag oft zu kurz kommen.
Ein solches Projekt zeigt eindrücklich, wie ganzheitliche Förderung in der offenen Kinder- und Jugendarbeit gelingen kann – durch echte Erlebnisse, echte Beziehungen und ein gemeinsames Ziel.